Im Gespräch mit Markus Bendler: Bookfactory-Kunde und IPFO SWISS Award Gewinner 2026

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Manchmal entstehen besondere Fotoprojekte aus den unerwartetsten Momenten. Für den Fotografen und langjährigen Bookfactory-Kunden Markus Bendler führte der Weg von einer spontanen Entscheidung kurz vor einer Operation bis in die eisige Tundra der Jamal-Halbinsel. Dort lebte er mehrere Wochen mit den Nenzen, begleitete ihren Alltag und hielt das Leben im hohen Norden in eindrucksvollen Schwarz-Weiss-Aufnahmen fest.

Seine Reportage «Zu Gast bei den Nenzen» wurde 2026 mit dem IPFO SWISS Award ausgezeichnet. Im Interview erzählt Markus, wie diese aussergewöhnliche Reise zustande kam, was ihn an der wilden Natur und ihren Menschen fasziniert und wie er seine Bilder auswählt und gestaltet. Ausserdem verrät er, warum Fotografien für ihn erst gedruckt ihre volle Wirkung entfalten und gibt praktische Tipps, mit denen auch Hobbyfotografinnen und -fotografen ihren Blick für besondere Motive schärfen können.

Gewinn IPFO SWISS Award 2026

Woher kommt deine Leidenschaft für die Fotografie und welche Motive reizen dich am meisten? 

Schon seit meiner Jugend zieht es mich in die unberührte, wilde Natur. Ich bin gerne draussen unterwegs – ob beim Bergwandern in den Alpen oder beim Segeln auf dem Wasser. Mich faszinieren Orte, an denen man die Elemente noch unmittelbar spürt und der Mensch ganz klein wird.

Fotografisch suche ich genau diese Ursprünglichkeit: raue Landschaften, weite Horizonte und fremde Kulturen, die im Einklang mit der Natur leben. Inspiriert haben mich schon früh die Berichte der alten Polarforscher wie Nansen oder Amundsen und die kraftvollen Arbeiten von Sebastião Salgado. Mich reizt es, mit der Kamera dorthin zu gehen, wo es auch mal ungemütlich ist, um echtes, unverfälschtes Leben festzuhalten.

Wie ist daraus die preisgekrönte Serie «Zu Gast bei den Nenzen» auf Jamal entstanden?
Die Reise verdanke ich einer ziemlich verrückten Fügung: Nach einem schweren E-Bike-Unfall lag ich mit einem komplizierten Trümmerbruch am Ellbogen im Spital. Kurz vor der Operation scrollte ich zur Ablenkung durch Instagram und sah den Aufruf eines russischen Fotografen, der Begleiter für eine Winterexpedition zu den Nenzen suchte. Ich musste sofort an die eindrucksvollen Bilder von Sebastião Salgado denken – eine Welt, die ich schon immer unbedingt mit eigenen Augen sehen wollte. Trotz der Ungewissheit, ob mein Arm je wieder voll belastbar sein würde, habe ich mich noch vor dem Eingriff spontan angemeldet.

Ein paar Monate später ging es los: Über Moskau nach Salechard am Polarkreis, und von dort mit Schneefahrzeugen und Schlitten tief in die Tundra. Ich durfte direkt bei einer Familie im Tschum wohnen und den Alltag teilen – Schnee schmelzen, Holz spalten, Rentiere mit dem Lasso einfangen, Eisfischen. Aus diesem gemeinsamen Alltag heraus, ganz nah und auf Augenhöhe, ist die Reportage entstanden.

Was hat dich dazu bewegt, genau diese Fotos einzureichen?
Diese sechs Aufnahmen gewähren einen authentischen Einblick in das Leben der Nenzen:

  • Winterlager auf der Jamal-Halbinsel
  • Die Herde – Puls der Arktis
  • Kind des hohen Nordens
  • Treuer Wächter am Tschum
  • Eisfischen am gefrorenen Fluss
  • Ureinwohner der Tundra

Die Aufnahmen stehen aktuell als Prints im Rahmen der IPFO Photoville 4600 zum Verkauf und können dort besichtigt werden.

Du hast mit dem Gewinn nicht wirklich gerechnet, warum nicht?
Tatsächlich kam der Gewinn für mich vollkommen überraschend. Bereits die Nachricht, dass meine Arbeit im Rahmen der IPFO Photoville 4600 ausgestellt wird, empfand ich als eine grosse Ehre und Wertschätzung. An der offiziellen Preisverleihung konnte ich leider nicht persönlich teilnehmen, da ich mich zu dieser Zeit auf einem mehrwöchigen Segeltörn rund um Svalbard befand; ich konnte mich jedoch kurzfristig per Videobotschaft zuschalten.

Fotografie

Worauf achtest du bei der Bildkomposition besonders?

Grafische Reduktion & Negativraum: In der Weite der Tundra nutze ich den Schnee als gestalterische Leere. Ich reduziere den Ausschnitt radikal auf klare Linien und markante Silhouetten der Nenzen und Rentiere.

Augenhöhe & Nähe: Ich fotografiere konsequent auf Augenhöhe der Menschen und Tiere – oft aus der Hocke. Das schafft unmittelbare Intimität und Respekt statt distanzierter Draufsicht.

Horizont & Dimension: Die Horizontlinie setze ich bewusst extrem: tief, um den gewaltigen Himmel und die Einsamkeit zu spüren; hoch, um die Dynamik der Herde im Schneeraum zu verdichten.

Schwarz-Weiss als Kontrollwerkzeug: Display und Sucher schalte ich auf Schwarz-Weiss. Ohne Farb-Ablenkung lassen sich Kontraste, Kanten und Tonwerte im gleissenden Weiss sofort beurteilen.

Pragmatismus bei arktischer Kälte: Wenn das Metall an der Wange festzufrieren droht und der Sucher beschlägt, komponiere ich mit Abstand über das Display – trotz dicker Handschuhe und Brille eine reine Übung in Intuition.

Nach welchen Kriterien triffst du die finale Auswahl für deine Fotoserien?

Bauchgefühl & Emotion: Ich entscheide selten nach starren Fotoregeln. Ein Bild kommt nur dann in die Auswahl, wenn es bei mir sofort wieder genau das Gefühl weckt, das ich dort im Eis hatte – die Kälte, die Stille oder die Herzlichkeit.

Das echte Leben statt Klischees: Mir ist wichtig, die Nenzen so zu zeigen, wie sie wirklich leben. Nicht kitschig oder als Fotomotiv hergerichtet, sondern ehrlich: der harte Alltag mit den Tieren, aber auch die Wärme und Gemütlichkeit im Zelt.

Abwechslung & Neugier: Die Serie soll nicht langweilig werden. Ich mische ganz bewusst: mal die endlose weite Landschaft, mal ein intimer Moment am Ofen, mal die wuselnde Herde.

Stimmige Atmosphäre: Da alles in Schwarz-Weiss ist, lege ich die Bilder nebeneinander und schaue einfach, ob sie zusammenpassen. Die Lichtstimmung und das Grau-in-Grau müssen sich anfühlen wie aus einem einzigen langen Wintertag.

Bookfactory

Deine Bilder entstehen digital. Welche Bedeutung hat es für dich, Fotografien auch gedruckt in den Händen zu halten?

Etwas Echtes in den Händen: Auf dem Bildschirm ist nur eine Datei. Erst mit dem richtigen Papier und einer griffigen, matten Oberfläche wird daraus etwas Echtes, das zum rauen Thema passt.

Die echte Grösse: Auf dem Handy wirkt alles klein. Erst im Grossformat merkt man wieder, wie gewaltig und endlos die Tundra war.

Weicheres Schwarz-Weiss: Ohne blendendes Glas wirken die feinen Graustufen im Schnee und das tiefe Schwarz auf einer strukturierten Oberfläche viel natürlicher und samtiger.

Stehenbleiben statt Weiterscrollen: Ein Druck zwingt zum Innehalten. Man nimmt sich einfach mehr Zeit für das Bild und die Menschen darauf.

Welche Produkte lässt du bei Bookfactory produzieren und wofür nutzt du sie?

  • Fotokarten für festliche Anlässe
  • Fotoprints zum Verschenken
  • Und selbstverständlich Fotobücher in vielfältigen Formaten sowie unterschiedlichen Papierqualitäten

Was ist dir bei einem Anbieter für hochwertige Fotoprodukte besonders wichtig?

  • Breites Angebot an Formaten und Papiersorten
  • Hilfreiche Anleitungen und Unterstützung beim Gestaltungsprozess
  • Kompetenter lokaler Support per Telefon oder persönlich vor Ort (Regionalität)
  • Bequeme Abholmöglichkeiten
  • Kulantes und lösungsorientiertes Handeln bei Qualitätsfragen
  • Nahtlose Einbindung der verschiedenen Erstellungs-Workflows

Tipp für unsere Kunden

Welchen Tipp würdest du unseren Kundinnen und Kunden bzw. Hobbyfotografen geben, um mit einfachen Mitteln bessere Fotos zu machen?

  • Augen auf im Alltag: Das beste Bild liegt oft direkt vor den Füssen, nicht erst am Ende der Welt. Nicht nur nach Postkarten-Motiven suchen, sondern nach kleinen Details, Mustern und komischen Momenten.
  • Schlechtes Wetter nutzen: Bei Regen, Nebel oder Kälte entstehen oft die spannendsten Bilder. Genau dann rausgehen, wenn alle anderen lieber auf dem Sofa bleiben.
  • Blickwinkel radikal ändern: Nicht einfach im Stehen abdrücken. In die Hocke gehen, auf den Bauch legen oder ganz nah ran – ein Meter weiter unten verändert das komplette Bild.
  • Weniger nachdenken, mehr probieren: Keine Angst vor falschen Einstellungen. Lieber zehnmal danebenliegen und etwas Verrücktes wagen, als immer nur das Gleiche auf Nummer sicher zu fotografieren.
  • Sich selbst beschränken: Mal einen ganzen Tag nur mit einer einzigen festen Brennweite oder nur in Schwarz-Weiss losziehen. Das zwingt die Beine in Bewegung und schult den Blick enorm.

Markus Bendler – Technologe von Beruf, Entdecker aus Leidenschaft

Über Jahrzehnte hinweg leitete Markus Bendler Forschungs- und Entwicklungsteams im Bereich hochpräziser Messtechnik. Heute, in einem neuen Lebensabschnitt, widmet er seine Leidenschaft verstärkt der ursprünglichen Schönheit unseres Planeten.

Seine Begeisterung für die Fotografie begann bereits in der Dunkelkammer seiner Schule. Dort entdeckte er die Schwarz-Weiss-Fotografie als eine Bildsprache, die sich auf das Wesentliche konzentriert und von Kontrasten und Emotionen lebt.

Als Hochseesegler und begeisterter Wanderer zieht es ihn in die entlegenen Regionen des hohen Nordens – von Grönland und Svalbard bis in die sibirische Tundra. Dort erkundet er unberührte Landschaften und dokumentiert das Leben und die Widerstandsfähigkeit indigener Kulturen.

Wenn er nicht auf See oder mit der Kamera unterwegs ist, arbeitet er gerne mit Holz, kümmert sich um seine Bienen und beschäftigt sich intensiv mit neuen Technologien und strategischer Beratung.

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